"Folge
dem Kreuz nach" - Prozession in der Karwoche
Neben der Liturgie ist seit den Anfängen des Christentum
eine Art der Gottesanbetung bekannt, die wir auch unter dem
Namen Volksfrömmigkeit zusammenfassen und die bis heute
in ihrer ursprünglichen Art bewahrt werden konnte.
Am
bildreichsten findet die Hvarer Volksfrömmigkeit ihren
Ausdruck in Zusammenhang mit der Passionsgeschichte Christi
und hier in der "Folge dem Kreuz nach"- Prozession
sowie dem Passionslied "Das Wehklagen der Mutter Gottes".
Der Glaube an Christus und die damit zusammenhängende
Frömmigkeit ist bereits seit Jahrhunderten fest in den
Herzen der Inselbewohner verwurzelt. Während der Prozession
fällt dem Klerus zu Anfang keine tragende Rolle zu,
die Vorsänger werden ad hoc ausgewählt, gesungen
werden uralte, überlieferte Passionslieder. Der Prozession
wurde und wird bis heute eine außerordentlich volkstümlich-bruderschaftliche
Bedeutung beigemessen.
Die ersten schriftlichen Zeugnisse zur Prozession finden
sich in der Vita des Bischofs Milanio aus dem Jahr 1658.
Der Bischof hält fest, dass die Prozession bereits seit
Langem abgehalten wird, und dass sie jedes Jahr am Karfreitag
früh morgens oder kurz nach Mitternacht ihren Anfang
nimmt. Heute beginnt die Prozession "Folge dem Kreuz
nach" am Gründonnerstag gegen 23.00 h und dauert
ca. 8 Stunden. Die Prozession ist ca. 22 km lang und umfasst
die sechs Pfarrgemeinden Jelsa, Pitve, Vrisnik, Svirce, Vrbanj
und Vrboska.
Die
Prozession wird von dem Kreuzträger, der entweder barfuss
oder nur mit Strümpfen bekleidet ist, angeführt.
Das Kreuz ist mit einem schwarzen, durchsichtigen Schal umwickelt.
Neben dem Kreuzträger gibt es noch Helfer, Begleiter,
Sänger, Kerzenträger und den Vorsänger der
Prozession. Alle sind mit den weißen Bruderschaftstuniken bekleidet.
Neben diesen "Amtsträgern" nehmen zahlreiche
gläubige Einheimische oder Gäste an der ganzen
Prozession teil. Sie alle halten Kerzen und Rosenkränze
in Händen. Daneben wird von vielen Inselbewohnern die
Möglichkeit wahrgenommen, nicht die gesamte Prozession
zu begleiten, sondern abzuwarten, bis sie eine der Pfarrgemeinden
erreicht hat, um sich dann dem Gebet und den Liedern anzuschließen.
R. Kupareo (1914–1994), ein Dominikanerpriester aus
Vrboska, der viele Jahre in Chile gewirkt hat, gibt in seinem
Roman «Baraban» (1943) eine wunderschöne
Beschreibung dieser Prozession:
"Kreuze wandern durch die klare Aprilnacht. Sie
wandern nunmehr seit Jahrhunderten zum Zeichen der ungebrochenen Überlieferung
und des ungebrochenen Glaubens. Immer wandern sie an denselben
Wegen, an denselben Klippen vorbei. Die Jahrhunderte haben
ihnen nichts von ihrer Faszination und ihrer tiefen Bedeutung
nehmen können".
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